Historisches

"Treu zu Bayern und dem Königshaus"
Bayerische Monarchisten und Föderalisten

Während der Weimarer Republik hatten weite Bevölkerungskreise der abgesetzten bayerischen Monarchie nachgetrauert. Sie wollten Kronprinz Rupprecht von Wittelsbach wieder auf dem Thron sehen. Der "Königsgedanke" machte sie weitgehend immun gegen die nationalsozialistische Ideologie. Anfang 1933 scheiterten die Versuche einiger Adeliger, durch Wiedereinführung der Monarchie die nationalsozialistische "Machtergreifung" in Bayern zu verhindern. Daß der Kronprinz sich auch nach 1933 immer deutlich vom NS­Regime distanzierte, gab vielen seiner Anhänger Orientierung. Verfolgt wurden jedoch nur diejenigen, die sich politisch gegen den Nationalsozialismus exponierten. Die konservativ­monarchistische Redaktion der "Münchner Neuesten Nachrichten" wurde noch im März 1933 verhaftet und zum Teil erst nach Monaten freigelassen. Ein kleiner Kreis von ständisch­pazifistisch denkenden Publizisten, Priestern (-> Carl-Oskar von Soden) und Rechtsanwälten mußte im Laufe der 30er Jahre emigrieren. Manche von ihnen, wie der Münchner Rechtsanwalt Fritz Berthold, kämpften während der Besetzung Frankreichs auf der Seite der Résistance. In zahlreichen Denkschriften an die Alliierten entwickelte Berthold auch Pläne für eine europäische Friedensordnung nach dem Zusammenbruch des "Dritten Reiches".

        © 1998 Kulturreferat der Landeshauptstadt München

 

     

            

Kronprinz Rupprecht mit seiner Frau. Er exponierte sich zwar nicht im Widerstand, war aber als NS-Gegner bekannt. Als er 1939 nach Italien fliehen mußte, wurde seine Familie in Sippenhaft genommen.

Königlicher Besuch

Seine Majestät König Ludwig III. in Laufen

 

Artikel von Dieter Weiß

Gründung und Ziele

Ein knappes Jahr nach der Münchner Revolution, im Oktober 1919, erließ das BVP-Mitglied Josef Mayer-Koy, Verlagsbeamter bei der Münchner Zeitschrift "Jugend", den Aufruf zur Errichtung der Bayerischen Königspartei. Am 30. November wurde sie unter seinem Vorsitz gegründet. Die Königspartei verstand sich als überparteilich und nahm nicht an Wahlen teil. Zur Restauration der Monarchie wollte sie über eine Volksabstimmung gelangen. Als publizistisches Organ diente der Bayerische Königsbote.

Der Separatismus-Vorwurf

Mit Nachdruck wandte sich die Königspartei gegen die befürchtete Herabwürdigung Bayerns zu einer preußischen Provinz und ging auf Distanz zum Deutschen Reich. In diese Richtung arbeitete besonders der Publizist Karl Graf von Bothmer (1881-1947), der Kontakte zu den von Frankreich geförderten rheinischen Separatisten unterhielt. Dies brachte ihm den Vorwurf des Separatismus ein. Zum Führer der an der Reichseinheit festhaltenden Gruppe innerhalb der Partei avancierte der ehemalige Generalstabschef Kronprinz Rupprechts (1869-1955), General Konrad Krafft von Dellmensingen (1862-1953). Als Bothmers Kontakte zur französischen Besatzungsmacht im Rheinland bekannt wurden, zerbrach die Königspartei im März 1921, nachdem die BVP deshalb die Unvereinbarkeit einer Doppelmitgliedschaft erklärt hatte. Zahlreiche Mitglieder, die eine Trennung Bayerns vom Reich um den Preis einer Zusammenarbeit mit Frankreich ablehnten, verließen die Königspartei.

Das Ende

Die Wittelsbacher hatten Kontakte zur Königspartei vermieden. Mit dem Aufbau der überparteilichen Sammlungsbewegung des Bayerischen Heimat- und Königsbundes "In Treue fest" (BHKB) im März 1921 verlor die Königspartei vollends an Bedeutung, die Ortsgruppen in Regensburg, Rosenheim, Nürnberg und Würzburg traten geschlossen über. Im September 1926 ging auch die restliche Königspartei im BHKB auf.

Neuanlauf nach dem Zweiten Weltkrieg

Auf eine Anregung des Kabinettschefs von Kronprinz Rupprecht, Franz Frhr. von Redwitz (1888-1963), wurde im Oktober 1945 die Bayerische Heimat- und Königspartei gegründet, deren Mitglieder sich hauptsächlich aus dem 1933 aufgelösten Bayerischen Heimat- und Königsbund rekrutierten. Sie erreichte am 23. Januar 1946 die provisorische Zulassung für den Stadtkreis München. Den Vorsitz übernahm der Münchner Klinik-Direktor Prof. Dr. Max von Lebsche (1885-1957). Trotz des Bekenntnisses zu einer parlamentarisch-konstitutionellen Monarchie wurde die Partei von der amerikanischen Militärregierung am 10. Mai 1946 im Vorfeld der ersten freien Münchner Stadtratswahlen vom 26. Mai aufgelöst. Der 1950 nochmals gegründeten Königspartei gelang es nicht mehr, eine nennenswerte politische Wirksamkeit zu entfalten.

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